Die Wendel eines Hammerbohrers sieht bei allen Fabrikaten ähnlich aus. Wie sie entstanden ist, sieht man ihr nicht an — und genau das macht sie zu einem der unterschätzten Qualitätsmerkmale.
Zwei Wege zur Wendel
Es gibt grundsätzlich zwei Verfahren. Beim spanenden Fräsen wird die Nut aus dem Vollmaterial herausgearbeitet. Bei der Kaltumformung wird der Rohling zwischen Walzen oder Rollen plastisch verformt, bis die Wendel entsteht; es wird kein Material abgetragen, sondern verdrängt.
Der Unterschied klingt nach Fertigungsdetail, wirkt sich aber direkt auf die Belastbarkeit aus.
Der Faserverlauf
Gewalzter Stahl hat eine gerichtete Struktur, die üblicherweise als Faserverlauf bezeichnet wird. Diese Struktur trägt Last besser in Faserrichtung als quer dazu. Beim Fräsen wird sie durchtrennt: Die Nut schneidet quer durch die Fasern, an der Nutflanke enden sie stumpf. Jedes dieser Faserenden ist eine potenzielle Kerbstelle.
Bei der Kaltumformung bleibt die Faser durchgehend und folgt der Wendel. Sie wird umgelenkt, nicht durchtrennt. Zusätzlich verfestigt sich der Werkstoff durch die Verformung in der Randzone. Das Ergebnis ist eine deutlich höhere Torsions- und Dauerfestigkeit, besonders im Übergang vom Schaft zur Wendel — also genau an der Stelle, an der abgerissene Bohrer typischerweise brechen.
Warum das bei Akkugeräten wichtiger geworden ist
Netzbetriebene Bohrhämmer arbeiten mit vergleichsweise gleichmäßigem Lastkollektiv. Bürstenlose Akkugeräte bringen dagegen ein hohes Anlaufdrehmoment aus dem Stand und viele kurze Lastwechsel. Verkantet der Bohrer im Bohrloch, steht die volle Drehmomentspitze am Schaft an.
Anders gesagt: Der Vorteil eines ungestörten Faserverlaufs zahlt sich mit dem Umstieg auf Akkugeräte stärker aus als früher. Wer ein Sortiment für ein überwiegend akkubetriebenes Anwenderfeld plant, sollte diesen Punkt bei der Lieferantenauswahl bewusst gewichten — mehr dazu im Beitrag Sortimentsplanung für Akku-Bohrhämmer.
Der zweite Effekt: Bohrmehlaustrag
Eine umgeformte Nutoberfläche ist glatter als eine gefräste. Das klingt kosmetisch, ist es aber nicht. Der Bohrer muss das Bohrmehl über die gesamte Bohrtiefe nach außen fördern. Je rauer die Nut, desto mehr Reibung, desto mehr Wärme und desto größer die Neigung, dass sich Mehl staut.
Ein Bohrer, der das Mehl nicht sauber austrägt, wird langsamer, heißer und beginnt zu klemmen. Das kostet Standzeit an der Schneide, erhöht die Vibrationsbelastung und bei Akkugeräten zusätzlich Laufzeit. Die Nutgeometrie — Querschnitt, Steigung, Oberfläche — ist deshalb ein Leistungsmerkmal und nicht nur eine Formfrage.
Was das für die Auswahl bedeutet
- Kaltumformung ist ein Hinweis auf eine ernsthafte Fertigungslinie, weil sie Werkzeuge und Prozesswissen voraussetzt.
- Der Vorteil zeigt sich nicht im Neuzustand, sondern in der Bruchrate über die Einsatzzeit.
- Bei langen Ausführungen und großen Durchmessern wiegt er schwerer als bei kurzen Bohrern.
Shenli / Sunny Tools betreibt seit 2009 eine automatische Kaltumformlinie für SDS-plus. Wie sich das mit den übrigen Fertigungsschritten zu einem Qualitätsbild zusammensetzt, steht auf der Seite Private Label mit Shenli / Sunny Tools.