In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Maschinenpark im Bau- und Montagebereich deutlich verschoben. Bürstenlose Akku-Bohrhämmer in 18 V und 36 V decken heute einen großen Teil dessen ab, was früher netzbetrieben erledigt wurde. Für die Sortimentsplanung im Bohrerprogramm hat das Folgen, die über die Frage der Stückzahlen hinausgehen.
Zwei unterschiedliche Lastprofile
Netzbetrieben: konstante Einzelschlagenergie über die gesamte Einsatzdauer, ausreichend Leistungsreserve für tiefe Bohrungen und große Durchmesser. Der Bohrer sieht ein gleichmäßiges Lastkollektiv, Vorschub und Drehzahl bleiben auch bei Serienbohrungen stabil.
Akkubetrieben: hohes Anlaufdrehmoment aus dem Stand, viele kurze Lastwechsel, häufiges Ansetzen und Absetzen. Dazu kommt ein Verhaltensmuster, das jeder aus der Praxis kennt: Lässt die Leistung nach, erhöhen Anwender den Vorschub, statt zu entlasten. Für den Bohrer bedeutet das mehr Torsionsspitzen am Schaft und mehr Wärme an der Schneide.
Was daraus für das Werkzeug folgt
- Schaftfestigkeit wird wichtiger. Ein ungestörter Faserverlauf aus der Kaltumformung zahlt bei Akkugeräten unmittelbar ein.
- Bohrmehlaustrag bei niedrigerer Drehzahl. Nutquerschnitt und Wendelsteigung müssen auch dann fördern, wenn die Drehzahl nicht auf Netzniveau liegt. Ein klemmender Bohrer kostet im Akkubetrieb doppelt: Standzeit und Akkulaufzeit.
- Vibration. Kurze, intensive Einsätze summieren sich über den Tag. Wie sich das rechnet, steht im Artikel zur Hand-Arm-Vibration am Bohrhammer.
Die Nachfrage verschiebt sich in der Struktur
Im Akkusegment konzentriert sich das Nachkaufgeschäft deutlich stärker als früher:
- Die Durchmesser 6, 8, 10 und 12 mm tragen den größten Teil des Volumens.
- Kurze und mittlere Arbeitslängen drehen schneller als lange Ausführungen.
- Sets und SB-Verpackungen spielen eine deutlich größere Rolle, weil häufiger im Fachhandel und online nachgekauft wird.
- Der SDS-max-Anteil bleibt weitgehend beim Netzgerät; siehe SDS-plus und SDS-max.
Eine Praxisregel für die Linienbildung
Die Durchmesser 6 bis 12 mm in kurzer und mittlerer Arbeitslänge gehören in die Volumenlinie. Lange Ausführungen, SDS-max und Mehrschneider gehören in die Profillinie — dort werden sie erklärt und dort wird der Preis auch akzeptiert. Wer beides in einer Linie mischt, verliert die Erklärbarkeit am Regal.
Mehrschneider sind im Akkusegment kein Widerspruch, aber sie brauchen Maschinenleistung. Sie gehören deshalb in die Premiumlinie und nicht in die Einstiegslinie — mit entsprechender Argumentation zu Zentrierung, Verlaufverhalten und Bewehrung.
Konsequenz für ein Eigenmarkenprogramm
Wer heute eine Werkzeug-Eigenmarke aufbaut, sollte den typischen Maschinenpark der Zielgruppe zu Beginn erheben, nicht am Ende. Er bestimmt Durchmesserspektrum, Längenstaffel, Verpackungseinheit und den sinnvollen Anteil an Premiumartikeln. Wie LUMA das im Projekt abbildet, steht auf der Seite Private Label Werkzeuge mit Shenli / Sunny Tools.