Kaum ein Bauteil muss so widersprüchliche Anforderungen erfüllen wie ein Hammerbohrer. Vorne soll er hart sein, damit er dem Abrasivverschleiß im Beton standhält. Hinten soll er zäh sein, damit er die Schläge aufnimmt, ohne zu brechen. Härte und Zähigkeit sind aber gegenläufig: Was härter wird, wird spröder.
Die Lösung ist ein Verlauf, kein Wert
Deshalb wird bei einem guten Hammerbohrer nicht eine Härte eingestellt, sondern ein Härteverlauf über die Länge. Der Bereich hinter dem Hartmetallkopf ist härter ausgeführt, der Schaft bleibt zäher. Erreicht wird das über gesteuerte Erwärmung, Abschreckung und anschließendes Anlassen — mit definierten Temperaturen, Haltezeiten und Abkühlraten.
Wird zu hart eingestellt, bricht der Bohrer bei Verkanten oder beim Treffen auf Bewehrung. Wird zu weich eingestellt, verformt sich der Schaft und der Verschleiß steigt. Der brauchbare Bereich dazwischen ist schmaler, als man vermuten würde.
Die SDS-Nuten werden gerne vergessen
Ein Punkt, der in Datenblättern selten auftaucht, im Feld aber deutlich sichtbar wird: Die Verriegelungsnuten der SDS-Aufnahme dürfen nicht stauchen. Im Bohrfutter treffen die Verriegelungskörper bei jedem Schlag auf die Nutflanken. Ist der Schaft dort zu weich, walzen sich die Nuten mit der Zeit aus. Der Bohrer bekommt Spiel, sitzt nicht mehr sauber, und das Spiel überträgt sich als zusätzliche Unruhe auf Maschine und Anwender.
Ein Bohrer, dessen SDS-Aufnahme nach einigen Wochen erkennbar ausgeschlagen ist, hatte fast immer ein Wärmebehandlungsproblem — kein Materialproblem.
Warum eigene Härterei ein Qualitätsargument ist
Wärmebehandlung wird in vielen Fertigungsketten als Lohnleistung zugekauft. Das funktioniert, verschiebt die Prozesskontrolle aber aus dem Haus. Wer die Härterei selbst betreibt, kann den Härteverlauf gezielt auf die eigene Geometrie und den eigenen Stahl abstimmen, Abweichungen sofort zurückverfolgen und vor allem: das Ergebnis über Jahre konstant halten.
Für ein Eigenmarkenprogramm ist Chargenkonstanz wichtiger als jeder Spitzenwert im Einzeltest. Der Nachkauf muss sich verhalten wie der Erstkauf — sonst zerfällt das Qualitätsversprechen der Marke.
Shenli / Sunny Tools hat 2019 ein eigenes Wärmebehandlungszentrum in Betrieb genommen, zeitgleich mit einer eigenen Verzinkungslinie.
Und die Meißel?
Bei Meißelwerkzeugen ist die Wärmebehandlung noch dominanter als beim Bohrer, weil kein Hartmetall im Spiel ist. Standzeit, Rückschlagverhalten und die Neigung zum Pilzkopf am Einsteckende hängen fast vollständig am Härteverlauf. Ein Meißel, der am Einsteckende aufpilzt, war zu weich; einer, der an der Schneide ausbricht, zu hart. Wer ein Meißelprogramm aufbaut, sollte diesen Punkt bei der Bemusterung ausdrücklich prüfen.
Weiterführend: Vakuumlöten am Hammerbohrer und Betonbohren: Tipps und Tricks.